Boulevard Melk 2 ha, 18,000 m2 BGF, Nicht-Wohn-Nutzung, 150 Bewohner:innen, 2023 bis 2026 Melk Süd 60 ha, 350,000 m2 BGF, Wohnnutzung, 2.700 Bewohner:innen, 2025 bis 2040 Hintergrundbild: atlas.noe.gv.at/basemap.at

Boulevard Melk
2 ha, 18,000 m2 BGF, Nicht-Wohn-Nutzung, 150 Bewohner:innen, 2023 bis 2026
Melk Süd
60 ha, 350,000 m2 BGF, Wohnnutzung, 2.700 Bewohner:innen, 2025 bis 2040
Hintergrundbild: atlas.noe.gv.at/basemap.at

Plus-Energie-Areale Melk
Fahrplan für klimafitte Stadtentwicklungsgebiete

Unter dem Motto „Melk wird klimafit“ setzt die Stadtgemeinde Melk gezielte Initiativen für die Entwicklung in Richtung Klimaneutralität. Erste Schritte wurden mit dem Projekt „Sonnenkraftwerk Melk“ sowie der Gründung einer Energiegemeinschaft gesetzt. Für zwei Stadtentwicklungsprojekte ließ die Stadt in einem Sondierungsprojekt1 prüfen, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen technischen und organisatorischen Lösungen Plus-Energie-Quartiere realisierbar sind. Das Areal „Boulevard Melk“ ist ein kleines innerstädtisches Gebiet angrenzend an die historische Altstadt, mit ca. 12.000 m2 Nutzfläche und vorwiegend Gewerbenutzung. Das Quartier „Melk Süd“ ist ein Stadtentwicklungsgebiet mit einer Nutzfläche von ca. 350.000 m2. Hier sollen auf der grünen Wiese ab 2025 Wohnungen für 2.700 Menschen entstehen.

Pfad zum Plus-Energie-Quartier

Im Rahmen der Sondierung wurde die Machbarkeit von Plus-Energie-Quartieren für diese beiden Standorte analysiert. Ein wichtiges Ziel war es, durch die aktive Beteiligung der Stadt Melk sowie der Grundstückseigentümer:innen, Investoren:innen und Bauträger:innen eine Sensibilisierung für das Thema zu erreichen und die Akzeptanz für die Umsetzung von Plus-Energie-Konzepten zu erhöhen. In Abstimmung mit den Zielen und dem Bedarf der beteiligten Akteur:innen wurde ein Anforderungskatalog für Plus-Energie-Quartiere entwickelt, der die erforderlichen Gebäudestandards und Potenziale an erneuerbarer Energie definiert. Die technische Prüfung der Quartiere erfolgte mittels Energieraumanalysen, der Ermittlung der zu erwartenden Energienachfrage sowie der Photovoltaik-Potenziale. Für beide Stadtentwicklungsgebiete wurde eine Plus-Energie-Bilanzierung erstellt. Außerdem wurden mögliche Geschäftsmodelle (wie z. B. die Vermarktung über eine Energiegemeinschaft) analysiert. Die Ergebnisse können im Zuge der weiteren Planung und Umsetzung von Politik und Verwaltung, Bauträger:innen und Projektentwickler:innen genutzt werden.

Ergebnisse der Analysen

Am Areal „Boulevard Melk“ ist vorwiegend Gewerbenutzung geplant. In Abstimmung mit der Stadt Melk wurden bestimmte Eckpunkte für die geplanten Bauvorhaben angenommen. Geprüft wurde, ob der Strombedarf des Quartiers mit erneuerbarer Energie abgedeckt werden kann. Es zeigte sich, dass neben den Flächen der Gebäudehüllen noch zusätzliche Flächen für die Installation von PV-Modulen genutzt werden müssten, um den gesamten Stromverbrauch decken zu können. Grund dafür sind die energieintensiven Gewerbe (z. B. Restaurant, Handel usw.), die in diesem Quartier untergebracht werden sollen.
 
Für das Areals „Melk Süd“ wurden verschiedene Szenarien analysiert. Variiert wurden die Gebäudestandards (von A/Passivhaus bis D/Heizwärmebedarf von 25 kWh/m2 pro Jahr), die Optionen für erneuerbare Energie (PV auf Dächern, plus Fassaden, plus weiteren Flächen), die Wärmeversorgung (Fernwärme, Wärmepumpen) sowie die Bilanzgrenze (mit und ohne E-Mobilität). Wenn ein ausgezeichneter Gebäudestandard und ein hoher Anteil an erneuerbaren Energieträgern umgesetzt werden, ist der Plus-Energie-Standard in diesem Quartier erreichbar. Entscheidend für die Analysen ist die Festlegung der Systemgrenze für ein Plus-Energie-Quartier. Wenn z. B. der Energiebedarf für die Mobilität nicht in der Bilanz berücksichtigt wird, kann auch mit geringeren Anforderungen an den Gebäudestandard eine positive Bilanzierung gelingen. Allerdings sollten zukunftsfähige Konzepte immer auch Mobilitätsbedürfnisse und -lösungen mit einbeziehen.

Die nächsten Schritte

In Abstimmung mit der Stadt Melk wurde eine Roadmap erstellt, die den Weg zur Umsetzung von Plus-Energie-Quartieren beschreibt. Für Melk Süd besteht Interesse an Lösungen für eine lokale Wärme- und Kälteversorgung unter Einbeziehung von Abwärmequellen. Darüber hinaus will Melk nun den Blick auf die gesamte Stadt legen und einen Klimaneutralitätspfad sowie entsprechende Handlungsanleitungen ausarbeiten.
 
nachhaltigwirtschaften.at/de/sdz/projekte/plus-energie-melk.php
 
1 Projektpartner: e7 Energie Markt Analyse GmbH (Projektkoordination), Stadtgemeinde Melk, Energie- und Umweltagentur NÖ