Im Oktober 2025 wurde im Salzburger Gemeinderat der Klimafahrplan 2040 beschlossen, jetzt beginnt die Phase der konkreten Umsetzung. Die Stadt will den Transformationsprozess sozialverträglich gestalten und setzt auf die aktive Mitwirkung von Wohnbauträgern, Energieversorgern, der Wirtschaft und der Bevölkerung. Im Pilotquartier „Goethesiedlung“ wird ein neu eingerichteter Quartiershub als zentrale Schnittstelle zur Vernetzung von Projekten und Akteur:innen dienen.
Die große Herausforderung besteht darin, von der Planung rasch in die Umsetzung zu kommen. Schon bei der Erarbeitung des Salzburger Klimafahrplans 2040 wurde deutlich, dass die Realisierung vieler Maßnahmen nicht allein im Wirkungsbereich der Stadt liegt. Für tiefgreifende strukturelle Veränderungen braucht es die Zusammenarbeit zahlreicher Stakeholder:innen ebenso wie die aktive Beteiligung der Bürger:innen. Der Klimafahrplan wurde in Salzburg bewusst als „lebendes Dokument“ aufgesetzt: Er kann laufend aktualisiert und an neue Erkenntnisse und Entwicklungen angepasst werden.
„In diesem Jahr wollen wir uns verstärkt mit dem Thema soziale Verträglichkeit beschäftigen“, erklärt Pia Schauz, die Leiterin des Pionierstadt-Projekts. „Dieser umfassende Prozess wird nur gelingen, wenn wir alle Bürger:innen mitnehmen und sich die Menschen diese Transformation, etwa in den Bereichen Gebäudesanierungen und Mobilität, auch leisten können.“
Kapazitäten aufbauen, Wissen teilen
Im Rahmen der Partnerschaft mit dem BMIMI wurden in der Stadtverwaltung zusätzliche Mitarbeiter:innen eingestellt. Sie bauen gezielt Kompetenzen auf und treiben zentrale Themen der Klimatransformation voran. Die neuen Positionen sind in verschiedenen Fachabteilungen angesiedelt – etwa im Bauwesen (Energie, Gebäude), der Raumplanung (Quartier, Mobilität) sowie den Betrieben (Abfall- und Kreislaufwirtschaft). Damit rücken die Klimaziele direkt in den Fokus der täglichen Verwaltungsarbeit. „Neben dieser Anschubfinanzierung sind auch die weiteren nationalen und internationalen Förder- und Innovationsprogramme für uns sehr hilfreich. Wir nutzen sie für FTI-Projekte, um die Umsetzung der Energie- und Mobilitätswende zu beschleunigen“, erklärt die Projektleiterin. Ein wichtiger Benefit der öffentlich-öffentlichen Kooperation ist auch der Austausch zu innovativen Lösungen, Best Practices oder neuen Standards im Rahmen des Begleitprozesses.
„Der ganzheitliche Ansatz und der Wissenstransfer zwischen den Pionierstädten machen das Projekt für uns besonders wertvoll.“
Digitales Tool für die CO2-Bilanz
Die Stadt Salzburg testet aktuell das webbasierte Planungs- und Monitoringinstrument Climate View. Das Tool bietet eine standardisierte Methode, um Klimaneutralitätsfahrpläne digital zu erfassen und so zu strukturieren, dass sie effizient mittels KPIs überprüft und bei Umsetzungslücken aktualisiert werden können. Treibhausgasemissionen werden strukturiert nach unterschiedlichen Sektoren abgebildet. Zudem lassen sich verschiedene Szenarien und Reduktionspfade simulieren, mit konkreten Maßnahmen verknüpfen und hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen quantifizieren. Auf dieser Basis können die Fortschritte anhand von Kennzahlen überprüft und Maßnahmen bei Bedarf angepasst werden. Pia Schauz erläutert: „So sehen wir evidenzbasiert in welchen Bereichen wir nachsteuern bzw. Tempo aufnehmen müssen, um unsere Klimaziele zu erreichen.“
Quartiershub als Drehscheibe
Salzburg zählt zu den drei österreichischen Pionierstädten, die Fördermittel für den Aufbau eines „Quartiershubs“ erhalten. Projektpartner in Salzburg ist die iSPACE plus GmbH. Im Stadtteil Itzling mit dem Pilotquartier Goethesiedlung werden nicht nur technologische Innovationen in der Praxis erprobt, hier liegt auch ein wichtiger Schwerpunkt auf den sozialen Fragen. Um das Quartier nachhaltig zukunftsfit zu machen, sollen in den kommenden Jahren viele Bau- und Sanierungsprojekte realisiert werden. Gleichzeitig leben dort viele Menschen aus besonders vulnerablen Gruppen, die von den geplanten Veränderungen direkt betroffen sind. Entsprechend braucht es inklusive Lösungen – etwa für Bewohner:innen, die während der Sanierungsphase vorübergehend übersiedeln müssen. Schon im Vorfeld wurde für die Goethesiedlung eine umfassende Sozialraumanalyse durchgeführt. Auf Basis einer Befragung der Bewohner:innen konnten bereits grundlegende Empfehlungen in den Bereichen Mobilität, Grün und Zusammenleben im Quartier erarbeitet werden. Der Quartiershub soll künftig als innovative Schnittstelle zwischen Verwaltung, Quartiersmanagement, Unternehmen und Bürger:innen fungieren und sowohl die Umsetzung der Maßnahmen als auch die Beteiligungsprozesse unterstützen.

Quelle: iSPACE plus GmbH
Querschnittsthema Kreislaufwirtschaft
Bei der Erstellung des Klimafahrplans wurde klar, dass sich das Thema Kreislaufwirtschaft quer durch alle städtischen Aufgabenbereiche zieht. Es gibt zahlreiche Schnittstellen etwa in Hinblick auf Sharing-Modelle, Verwendung kreislauffähiger Materialien oder Lebenszyklusbetrachtungen von Produkten. Ein Schwerpunkt liegt u. a. auf der Verankerung einer nachhaltigen, kreislauforientierten Beschaffung. Hier will Salzburg von anderen Pionierstädten lernen und geeignete Kriterien und Prozesse entwickeln und implementieren.
Der gezielte Aufbau von Kapazitäten und Kompetenzen in lokalen Quartiershubs soll die Entwicklung von klimaneutralen und klimaresilienten Quartieren vorantreiben. Die Hubs schaffen ein produktives Umfeld für Innovation, Demonstrationen, Vernetzung, Monitoring, Datenmanagement, Forschung und Wissenstransfer. Sie dienen als Drehscheibe für alle relevanten Akteur:innen, ermöglichen die Umsetzung von FTI-, Demonstrations- und Umsetzungsprojekten, das Lernen und Experimentieren im Praxiskontext sowie den Wissenstransfer an andere Stadtquartiere.
klimaneutralestadt.at/de/projekte/pionierstaedte/klimapionierstadt-salzburg.php
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