Marktplatz in Dornbirn

Marktplatz in Dornbirn, Foto: Arno Meusburger/Dornbirn Tourismus-Stadtmarketing GmbH

Pionierstadt Dornbirn

Klimaschutz mit Hausverstand


Die Stadt Dornbirn treibt ihre Klimaschutzpolitik konsequent voran und baut auf eine Strategie auf, die bereits vor 25 Jahren begonnen wurde. Aktuell arbeitet die Stadt daran, verbindliche Standards für alle kommunalen Bereiche zu entwickeln, die sich klar am Ziel der Klimaneutralität bis 2040 orientieren. Der Austausch mit anderen Städten ist dabei ein wichtiger Motor. Umwelt und Klimaschutz sind in Dornbirn seit Jahrzehnten in Verwaltung und Politik fest verankert.

Schon 1998 beschloss die Stadt ein eigenes Umweltprogramm und ein verbindliches Umweltleitbild, seit 2002 ist sie als e5-Gemeinde zertifiziert. Als eine der ersten österreichischen Städte hat Dornbirn eine Klimarelevanz-Prüfung in den Prozess zur Budgeterstellung integriert. Bereits bei der Planung der Ausgaben für das kommende Jahr müssen alle Projekte hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Klimaziele evaluiert werden.
 
„Dabei leitet uns das Prinzip des wirtschaftlichen Hausverstands: Gerade in Zeiten knapper Budgets ist es unsere Pflicht, Investitionen nicht nur nach den Anschaffungskosten, sondern nach den gesamten Lebenszykluskosten zu bewerten“, erklärt Thomas Pieber, Leiter des Projekts „Pionierstadt: Mission Klimaneutrale Stadt“. 

Kompetenzen aufbauen

Im Rahmen der Kooperation mit dem BMIMI konnten sogenannte „Pionierstellen“ in den städtischen Abteilungen Hochbau, Tiefbau und Stadtplanung geschaffen werden. Klimaschutzthemen werden nicht als isolierte Aufgabe einer einzelnen Umweltabteilung angesehen, sondern sind direkt in die Planungsprozesse der Stadt integriert. Die neuen Fachkräfte bringen spezifisches Know-how ein und stärken die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen. „Unser Ziel ist es, dass dieser integrierte Ansatz in drei Jahren, wenn die Förderung ausläuft, zur Selbstverständlichkeit geworden ist,“ erklärt Pieber.

Austausch mit anderen als Motor

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Städten und das Lernen voneinander sind zentrale Bausteine der Pionierstadt-Initiative. Gleich zu Beginn des Projekts reiste eine Dornbirner Delegation – bestehend aus politischen Entscheidungsträger:innen sowie Vertreter:innen der Verwaltungsspitze – in die niederländische Stadt Utrecht, die als Vorreiterin für nachhaltige Stadtentwicklung gilt. Eine wichtige Erkenntnis der Reise: für den Weg zur Klimaneutralität braucht es klare Zielvorgaben für Politik und Verwaltung, an denen sich der Fortschritt objektiv ablesen lässt. Gleichzeitig gilt es, schnell aktiv zu werden und den Mut zu haben, neue Konzepte zu testen. „Es muss nicht immer sofort die technisch perfekte High-End-Lösung sein,“ betont Thomas Pieber. „Oft ist es effektiver, mit pragmatischen Maßnahmen schnell in die Umsetzung zu kommen und Dinge direkt im Stadtraum auszuprobieren, anstatt jahrelang zu planen“.  

Gelebte Kreislaufwirtschaft im Pilotquartier

Als konkretes Lernumfeld fungiert in Dornbirn das Pilotquartier Campus. In dem Bestandsquartier befinden sich u. a. das städtische Krankenhaus, Gebäude der FH Vorarlberg, das Unternehmen Meisterbäcker Ölz sowie ehemalige Industriehallen des Textilunternehmens F.M. Hämmerle. Gemeinsam mit den vielen verschiedenen Akteur:innen will die Stadt hier multiplizierbare Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung des Quartiers anstoßen. Fünf der brachliegenden Industriehallen wurden von der Stadt angekauft. Eine zentrale Rolle spielt dabei die „CampusVäre“1, ein aktiver städtischer Betrieb, der die Sanierung und nachhaltige Nutzung der Halle 4 vorantreibt. Sie soll zukünftig als Zentrum für Innovation, Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur dienen – mit Büros für Kreativunternehmen sowie Veranstaltungsräumen und Gastronomie. Bei der Sanierung der Halle wurde konsequent ein kreislauffähiges Konzept umgesetzt. Ziel war es, möglichst viele vor Ort vorhandene Materialien wiederzuverwenden und ausschließlich kreislauffähige Bauteile einzusetzen. Die Büroräumlichkeiten wurden als gedämmte Holzboxen aus städtischem Holz gefertigt und in einem Box-in-the-Box-System rund um das Atrium angeordnet. Dadurch musste die Industriehalle selbst nicht gedämmt werden, wodurch erhebliche Kosten- und Ressourcen eingespart werden konnten.
 
klimaneutralestadt.at/de/projekte/pionierstaedte/pionierstadt-dornbirn.php
 
1 www.c-i-v.at/de/umbau-fertig-los
 

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  • die 12.000 qm große, ehemalige Industriehalle
    CampusVäre, Foto: Stadt Dornbirn