Foto: ÖGUT, Petra Blauensteiner

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FTI-Roadmap
für die biobasierte Industrie in Österreich

Die von der ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik erarbeitete FTI-Strategie zeigt Entwicklungsmöglichkeiten in den Bereichen der Rohstoffbereitstellung, der Verfahrenstechnik sowie auf Produktebene auf und formuliert Ziele sowie Handlungsempfehlungen für den Ausbau der biobasierten Industrie in Österreich. Dabei steht insbesondere der Non-Food-Bereich im Fokus der Analyse. Die Roadmap baut auf den Ergebnissen der Studie „Am Weg zu einer biobasierten Industrie – Chancen für  Österreich“ (Windsperger et al., 2010) auf, in der die wesentlichen Grundlagen in Bezug auf die forstwirtschaftlichen Rohstoffe erarbeitet wurden. Ergänzt mit Erhebungen zu agrarischen Roh- und Reststoffen konnte nun eine umfassende, an die österreichische Industrielandschaft angepasste FTI-Strategie ausgearbeitet  werden.

Im Rahmen des Projekts wurden Einzelinterviews mit VertreterInnen der Lebensmittelindustrie, der chemischen, der pharmazeutischen sowie der holzverarbeitenden Industrie durchgeführt, um künftige Entwicklungen auf Rohstoff-, Technologie- und Produktebene diskutieren und einschätzen zu können. 

Vision „Biobased Industry“
Im Sinne einer „Biobased Future“ erfolgt ein gesellschaftlicher Wandel in Richtung Nachhaltigkeit und Produkte der biobasierten Industrie bestehen im Wettbewerb. Die Flächenproduktivität wird erhöht und vorhandene Ressourcen werden bestmöglich hinsichtlich aller Dimensionen der Nachhaltigkeit genutzt. Durch Systemintegration werden Synergien nutzbar, durch Vernetzung und Technologie-Kombinationen gelingen Innovationen, die Flexibilität hinsichtlich Stoffspezifikation, Rohstoff und Prozess ermöglichen. Dadurch stärkt die biobasierte Industrie die nationale Wirtschaft und erhöht die lokale Wertschöpfung.
(FTI-Strategie zur biobasierten Industrie in Österreich, ÖGUT 2014)


Für folgende Themenbereiche konnten sowohl kurzfristige als auch mittel- bis langfristige Entwicklungspfade skizziert werden:

> Rohstoffbereitstellung: land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe, Algen als Rohstoff
> Produktentwicklung: Bau- und Dämmstoffe, biogene Verbundstoffe, Biopolymere, Bulkchemikalien, Biotreibstoffe, Düngemittel, biobasierte Spezialprodukte
> Verarbeitungsprozesse: Fermentation, Vergasung, Pyrolyse, Holzverarbeitung, neue Bioraffinerie-Konzepte

Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Perspektive ist eine möglichst vollständige Nutzung der biogenen Rohstoffe zielführend. Bioraffinerie-Konzepte zur gekoppelten stofflichen und energetischen Nutzung sind ressourcenschonend und lassen die höchste Wertschöpfung erwarten. Dafür müssen integrierte Produktionsprozesse entwickelt und für jedes Produkt und Nebenprodukt Einsatzgebiete und Absatzmärkte gefunden werden. Auch eine verschränkte Nutzung mit dem Food- bzw. Futter- und Düngemittelbereich kann die Wirtschaftlichkeit erhöhen.

Folgende Handlungsempfehlungen zur Stärkung der biobasierten Industrie in Österreich wurden von den ExpertInnen identifiziert:

> Integrierte Konzepte für die energetische und stoffliche Nutzung von Biomasse
> Gesamtabschätzung zur ökologischen und ökonomischen Wirkung biobasierter Produkte
> breite Positionierung der biobasierten Industrie in Österreich
> Vernetzung und Kooperation der Stakeholder aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft
> gezielte (Forschungs-)Förderung für Fragestellungen der biobasierten Industrie
> marktseitige Maßnahmen
> Entwicklung in Kooperation mit klassisch gewachsenen  Industrien

„Die Rohstoff-Frage ist die Zukunftsfrage Europas. Tatsächlich sind wir bei nahezu allen fossilen Rohstoffen stark importabhängig. Damit fließen jährlich mehrere Milliarden Euro ins Ausland. Die biobasierte Industrie bietet die Chance, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und Wertschöpfung in Österreich zu lukrieren. Im Rahmen des Projekts zeigte sich deutlich, dass die biobasierte Industrie in Österreich bereits heute eine wichtige Rolle einnimmt. Sie kann zukünftig an Bedeutung gewinnen, wenn es gelingt, die gesamte Wertschöpfungskette vertikal und horizontal zu vernetzen, vorhandenes Know-how branchenübergreifend einzusetzen und weiterzuentwickeln und damit bisher ungenutzte Synergien zu nutzen.“

Dr. Erika Ganglberger, Projektleitung FTI-Roadmap
ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik

 

  • Foto: ÖGUT, Karin Granzer-Sudra
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