Experteninterview
DI Michael Paula

DI Michael Paula, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Leiter der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien,
österreichischer Vertreter im CERT und verantwortlich für die österreichische Ausrichtung und Finanzierung der IEA-Forschungskooperation

Welche positiven Effekte hat aus Ihrer Sicht die Teilnahme am IEA-Forschungsnetzwerk für die österreichische Forschungslandschaft bis heute?

Österreichische ForscherInnen sind schon seit einigen Jahrzehnten an der Internationalen Energieagentur beteiligt; das hat viele Vorteile für Österreich gebracht. Dieses Forum, in dem nicht nur europäische sondern weltweite ExpertInnen mitwirken, bietet eine sehr gute Möglichkeit, internationale Trends zu erkennen und festzustellen, in welchen Forschungsthemen sich Österreich gut positionieren kann. Das Netzwerk unterstützt uns dabei, die eigenen Stärken im internationalen Umfeld sichtbar zu machen. Die weltweite Verbreitung von österreichischen Entwicklungen wird durch den Informationsaustausch im Rahmen der IEA maßgeblich unterstützt. Die Zusammenarbeit hat sich auch als sehr gute Basis erwiesen, um europäische Projekte zu definieren und einzureichen.

In welchen Technologiefeldern konnten im Rahmen dieser Vernetzungsaktivitäten die größten Erfolge erzielt werden?

Österreich legt einen starken Fokus auf erneuerbare Energieträger sowie gleichzeitig auf Energieeffizienzfragen. Im Netzwerk IEA Bioenergy, in dem es um feste, flüssige und gasförmige Brennstoffe aus erneuerbaren Ressourcen geht, hat der Erfahrungsaustausch sicherlich dazu beigetragen, die österreichischen Innovationsentwicklungen zu forcieren. Im Bereich der Solarthermie spielt die österreichische Forschung und Entwicklung seit vielen Jahren eine maßgebliche Rolle. Am Photovoltaiksektor gab es in den letzten Jahren sensationelle Entwicklungen hinsichtlich Technologie, Wachstum und Preisreduktion. Bei den Endverbrauchstechnologien ist vor allem der Gebäudebereich relevant. So war für das österreichische Forschungsprogramm „Haus der Zukunft“ der Austausch mit internationalen ExpertInnen im Rahmen der IEA-Netzwerke sehr wertvoll. Diese Themen werden heute mit dem „Smart City“-Konzept fortgesetzt, bei dem man nicht nur das Einzelgebäude, sondern Bezirke, Kommunen und Städte betrachtet.

Haben sich die Chancen für österreichische Technologieentwicklungen auf den internationalen Märkten durch die Kooperation erhöht?

Es war uns von Anfang an wichtig, dass nicht nur die Forschung, sondern auch österreichische Unternehmen profitieren. Es sind einige sehr große, weltweit sichtbare Projekte entstanden, die auf diese Experten-Netzwerke zurückzuführen sind. So etwa die damals (2011) weltgrößte Solarthermieanlage in Riad (Saudi-Arabien) oder zuletzt das Desert Learning Center in Al Ain (VAE), wo viele innovative Technologien aus Österreich erstmals im arabischen Raum zur Anwendung kamen.