EXPERTEN-INTERVIEW
Dr. Brigitte Bach

Dr. Brigitte Bach
Head of Energy Department, AIT Austrian Institute of Technology
(Video: Waldhör KG)

Sie sind als Expertin im Rahmen internationaler Forschungsinitiativen zum Thema Smart City tätig. Welche Ziele verfolgen die europäischen Aktivitäten in diesem Forschungsfeld?

Um tiefgreifende Innovationen auf lange Sicht realisieren zu können, sind klare Strategien in Forschung und Entwicklung notwendig. Ein zentrales Instrument ist der Europäische Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan), der die europäische F&E Politik im Bereich Energie bis 2050 und darüber hinaus nachhaltig prägen wird. Smart Cities bilden in dieser Strategie für die Entwicklung und Verbreitung von erneuerbaren Energietechnologien einen wichtigen Schwerpunkt und sind bereits Thema zahlreicher eigenständiger Initiativen und Programme. Österreich spielt in vielen davon eine aktive Rolle, etwa in der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) für Smart Cities and Communities, der Joint Programming Initiative Urban Europe oder dem Joint Programme Smart Cities im Rahmen der European Energy Research Alliance (EERA).

Was sind die erfolgversprechendsten Konzepte, um die Energieeffizienz einer Stadt zu steigern?

Eine massive Steigerung der Effizienz auf allen Infrastrukturebenen ist möglich. Zum Beispiel durch die verstärkte Nutzung von urbanen Abwärmequellen wie Industrieprozessen, durch thermische Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand oder die forcierte Umsetzung des Passivhausstandards bei Neubauten. Ebenso wichtig ist die Einbindung erneuerbarer Energiesysteme im urbanen Raum durch verstärkte Integration von Photovoltaikanlagen, Solarkollektoren oder auch Windturbinen in Wohn-, Büro- oder Industriegebäuden. Damit werden Gebäude auf lange Sicht zu Plusenergiehäusern, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen und selbst Strom ins Netz einspeisen können. Sie übernehmen auf lange Sicht die Rolle eines aktiven Players im Energie-system. Stromseitig wird es in Zukunft aber aufgrund dieser Entwicklungen notwendig sein, bidirektionale Energieflüsse unter Berücksichtigung von Angebot und Nachfrage zu steuern und zu lenken.

Wie kann es gelingen, Einzellösungen zu integrierten urbanen Gesamtsystemen zusammenzuführen?

Die Smart City der Zukunft muss noch viel stärker als heute als Gesamtsystem betrachtet werden, in dem Gebäude und Industrie ebenso berücksichtigt werden müssen wie die Energieversorgung, die thermischen und elektrischen Netze und auch die Mobilität, in der unter anderem Elektrofahrzeuge eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Der Grundstein für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit wird durch die konkrete Umsetzung in Demoprojekten gelegt, die auf innovatives Design und intelligenten Betrieb des gesamten urbanen Energiesystems mit all seinen Wechselwirkungen abzielen.

Dr. Brigitte Bach ist im Rahmen internationaler Forschungsinitiativen zum Thema Smart City tätig. Sie wurde im März 2016 als Vorsitzende der Advisory Group on Energy wiedergewählt. Das hochrangig besetzte ExpertInnengremium berät die Europäische Kommission in der strategischen Gestaltung der Energieforschung.