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Digitalisierung in der österreichischen Bauwirtschaft
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

In einer aktuellen Trendanalyse der FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt) wurde untersucht, welche Auswirkungen die digitale Transformation im Bausektor auf den Branchen-Arbeitsmarkt in Österreich erwarten lässt. Basierend auf Literatur-Recherchen, Medienanalysen und Interviews mit Expert:innen aus der österreichischen Bauwirtschaft konnten die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungseffekte für die kommenden fünf bis zehn Jahre abgeschätzt werden. In Fachzeitschriften wird in den letzten Jahren viel über digitale Anwendungen im Bausektor berichtet  – von Baustellen-Apps und dem effizienteren Informationsaustausch über Building Information Modelling (BIM) bis hin zu Robotik-Anwendungen wie Drohnen, 3D-Druck etc. In der Praxis setzen sich  diese innovativen Technologien nur sehr langsam und schrittweise durch bzw. kommen in Österreich bisher überwiegend in größeren Pilotprojekten zu Einsatz. Ein Arbeitsplatzabbau aufgrund der digitalen Transformation ist im Bausektor in den nächsten Jahren daher unwahrscheinlich. Viele Prozesse im Bauwesen sind kleinteilig strukturiert, daher arbeitsintensiv und schwer automatisierbar. Generell sind die Arbeitsabläufe auf Baustellen weniger leicht standardisierbar als in der stationären Fertigung. Fazit der Studie ist, dass die zunehmende Verbreitung von digitalen Anwendungen im Bauwesen voraussichtlich kein Jobkiller, aber auch kein Jobbringer werden wird.

Folgende Entwicklungen am Arbeitsmarkt sind zu erwarten:
> Stabilität bis leichte Zunahme der Beschäftigung bei hochqualifizierter nicht-manueller Arbeit von Bauingenieur:innen, IT-Fachkräften u.a.
> Tendenz zu weniger nicht-manuellen (Büro-) Routinetätigkeiten bei Angestellten
> Stabilität der Beschäftigung bei Facharbeiter:innen in Bauberufen
> Abnahme der Beschäftigung bei an- und ungelernter manueller Hilfsarbeit in der Baubranche

Bei der Erörterung von technologischen Rationalisierungspotenzialen ist zwischen „Software“ (z. B. BIM, KI) und „Hardware“ (z. B. 3D-Druck, Robotik) sowie zwischen manueller und  nicht-manueller Arbeit zu differenzieren. Mittelfristig liegen die quantitativ relevanteren  Potenziale in der Automatisierung von manuellen Tätigkeiten, insbesondere in der Standardisierbarkeit im Rahmen der Offsite-Komponentenvorfertigung (unterstützt durch Computer-basierte Präzision). Eine große Herausforderung für die Baubranche wird in den nächsten Jahren der häufig bekundete Fachkräftemangel bleiben, der sich vor allem auf junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte in Lehrberufen bezieht. Digitale Anwendungen könnten in Zukunft in dieser Hinsicht genutzt werden, um fehlende Fachkräfte durch vermehrten Technologieeinsatz zu kompensieren. 

Ein wichtiger Konjunkturmotor, von dem Bauwirtschaft und Baunebengewerbe in den nächsten Jahren profitieren werden, ist der Klima- und Umweltschutz. Durch die notwendige Umrüstung von Gebäuden und Infrastrukturen in Richtung Dekarbonisierung (u. a. Austausch von Öl- und Gasheizungen, thermische Sanierung, Ausbau der Photovoltaik etc.) ergeben sich hier große Potenziale. Zusätzlich ist ein steigender Bedarf an Arbeiten zur Behebung von Schäden nach klimabedingten Extremwetterereignissen zu erwarten.
 
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