Zero Carbon Resorts, Demonstrationsgebäude in Puerto Princesa, Palawan/Philippinen, beide Fotos: GrAT

Zero Carbon Resorts,
Demonstrationsgebäude in Puerto Princesa,
Palawan/Philippinen, beide Fotos: GrAT

Zero Carbon Resorts
Ressourcenschonung und Energieautonomie

2009 startete die GrAT – Gruppe Angepasste Technologie an der TU Wien (Leitung: DI Dr. Robert Wimmer) mit dem Projekt „Zero Carbon Resorts“ eine Entwicklungszusammenarbeit auf den Philippinen. Das Projekt wurde von der EU im Rahmen des „Switch Asia“-Programms gefördert. Ziel des Forschungsteams war es, nachhaltige Gebäudekonzepte und angepasste technologische Lösungen für Tourismusresorts zu entwickeln und diese in der Praxis zu demonstrieren. Bisher werden für den Bau und die Energieversorgung der auf den philippinischen Inseln gelegenen Resorts kaum lokal verfügbare Ressourcen genutzt. Strom für den Gebäudebetrieb und die Klima- und Warmwasseraufbereitungsanlagen wird von Dieselgeneratoren bereitgestellt, wobei der Diesel per Boot auf die Inseln gebracht werden muss. Im Rahmen des Projekts wurde in Puerto Princesa, Palawan erstmals ein Demonstrationsgebäude in ressourcenschonender Bauweise mit lokal verfügbaren Materialien realisiert. Zentral war dabei die Einbindung von lokalen ArchitektInnen, IngenieurInnen und KMU.

Reduce, Replace und Redesign

Heute sind rund 800 Betriebe Mitglieder im „Zero Carbon Resorts“-Projekt. 202 Resorts wurden bereits von den österreichischen ExpertInnen im Detail analysiert und optimiert. Diese Betriebe sparen nun zusammen fast 6,2 Mio. Dollar pro Jahr an Energiekosten ein und tragen so zur Entlastung der Umwelt bei. Die ForscherInnen wenden eine 3-Phasen-Methode an: Im ersten Schritt werden kostenlose „Good House Keeping“-Maßnahmen eingesetzt, die bereits bis zu 30 % der Energiekosten einsparen. In Phase zwei wird das ersparte Geld genutzt, um ineffiziente Geräte und Technologien durch hocheffiziente zu ersetzen. Bei einigen Betrieben konnten dadurch bis zu 70 % der monatlichen Betriebskosten eingespart werden. Im letzten Schritt bzw. bei Neubauten wird das Gebäude selbst nach dem „Zero-Carbon-Konzept“ optimiert.

Gebäudekonzept und Baumaterialien

Bei dem höchst ressourcen- und energieeffizienten Demonstrationsgebäude in Puerto Princesa wurden alle drei Schritte umgesetzt. Das Resort verbraucht ein Minimum an Energie über den gesamten Lebenszyklus. Dies wird durch die Nutzung von regionalen erneuerbaren Ressourcen und den Einsatz von Solartechnologien erreicht. Vorbild war das S-House der GrAT in Niederösterreich, ein „Haus der Zukunft“-Demonstrationsgebäude für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen mit regionalen Rohstoffen. >> www.s-house.at

Die Gebäudehülle des Resorts in Puerto Princesa besteht aus regionalen Baustoffen, wie Bambus, Rattan, Palmblättern und Holz und ist komplett recycelbar. Die aus den Fundamenten ausgehobene Erde (Lehm) wurde ebenfalls als Baumaterial verwendet. Sie kommt als thermische Masse in Form einer Stampflehmwand und einer massiven Struktur im Badezimmerbereich zum Einsatz. Aufgrund der guten thermischen Eigenschaften des Lehms fungieren die dicken Wände als Temperaturregler. Von zentraler Bedeutung in dieser Klimazone ist die passive Kühlung des Gebäudes. Breite Dachüberhänge sorgen für eine maximale Verschattung, die Bauweise auf Stelzen ermöglicht eine natürliche Belüftung.

Nachhaltige Energie- und Wasserversorgung

Das Gebäude ist energieautonom und wird zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben. Die elektrische Energie für das gesamte Resort wird mit Photovoltaik bereitgestellt. Die Warmwasserbereitung erfolgt mit Solarthermie. Auch für die Beleuchtung nutzt man das Sonnenlicht. Ein Tageslichtbeleuchtungssystem leitet über Kanäle das Licht von außen in die innen liegenden Räume. Die Gestaltung des Daches wurde so ausgeführt, dass das Regenwasser zentral gesammelt werden kann. Nur etwa 10 % der jährlichen Niederschläge reichen aus, um den gesamten Wasserbedarf des Gebäudes zu decken. Durch den Einbau von wassersparenden Toiletten, Duschköpfen und Wasserhähnen konnte der Brauchwasserbedarf eingeschränkt und die Abwässer reduziert werden. Mit Hilfe einer biologischen Wasseraufbereitung werden die Abwässer gereinigt. Trinkwasser kann durch einfache Do-it-yourself-Filter aus Regenwasser gewonnen werden.

Perspektiven

Die „Zero Carbon Resorts“-Strategie soll zukünftig weltweit z. B. in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika oder anderen Teilen Asiens eingesetzt werden. Die GrAT entwickelt aktuell Projekte für weitere Demonstrationsgebäude in Thailand und Nepal.

Das Projekt „Zero Carbon Resorts“ wurde 2015 mit dem „Global Human Settlement Award“ ausgezeichnet. Dieser Preis wird jährlich von der Organisation Global Forum on Human Settlements in Kooperation mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen in New York vergeben. Damit werden Städte, Unternehmen oder Personen geehrt, die sich vorbildlich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

DI Dr. Robert Wimmer, Foto: Hanna Pribitzer
DI Dr. Robert Wimmer,
Foto: Hanna Pribitzer

„Nachhaltiger Tourismus auf den Philippinen braucht ‚Insellösungen‘ im wahrsten Sinn des Wortes. Nur ein Bruchteil der über 7.100 Inseln hat ein eigenes Stromnetz, von Abwasserreinigungsanlagen ganz zu schweigen. Mit dem ‚Zero Carbon Resorts‘ Cottage haben wir eine lokal angepasste, autonome Gebäudelösung entwickelt um regionale Wertschöpfung und Ressourcenschonung leistbar und attraktiv zu machen.“

DI Dr. Robert Wimmer,
GrAT – Gruppe Angepasste Technologie an der TU Wien

 

  • Zero Carbon Resorts, Demonstrationsgebäude, Foto: GrAT
    Zero Carbon Resorts, Demonstrationsgebäude, Foto: GrAT
  • Zero Carbon Resorts, Demonstrationsgebäude, Foto: GrAT
    Zero Carbon Resorts, Demonstrationsgebäude, Foto: GrAT